Das Jahrbuch Fernsehen als Printversion

 

Das JAHRBUCH FERNSEHEN 2018 mit Essays von Philipp Alvares de Souza Soares, Julia Bähr, Hans Hütt, Volker Nünning und einem Interview mit Philipp Käßbohrer (bildtonfabrik).

Die erfolgreiche Kölner Produktionsfirma bildundtonfabrik (btf) ist mit der anarchischen Talkshow „Roche und Böhmermann“ (laut Spiegel online „eine der umjubeltsten Sendungen des Jahres“) und der ebenfalls von Jan Böhmermann moderierten Late-Night-Satire-Show „Neo Magazin Royale“ bekannt geworden. Co-Gründer und CEO Philipp Käßbohrer gibt im Gespräch mit Lutz Hachmeister Auskunft über Strategien in einer diversifizierten Medienlandschaft und die Herzensprojekte seiner Firma. „Die Sender haben immer gerne alles in Kästchen. Für uns stehen aber die Inhalte im Vordergrund. Ob daraus am Ende eine Doku wird, eine fiktionale Serie, ein Game oder eine Unterhaltungsshow, ist erst im zweiten Schritt entscheidend. Formell können wir alles bedienen.“ Und weiter: „Aus Produzentensicht ist die Fokussierung auf die Content-Qualität meiner Meinung nach die einzige sinnvolle Strategie, um in Zukunft in der Flut an Inhalten nicht unterzugehen.“ In welchem Programm die jeweiligen Produktionen gezeigt werden, sieht Käßbohrer dabei nicht als ausschlaggebend an: „Heutzutage sind Einzelmarken wichtiger als Kanäle.“ Zudem dreht sich das ausführliche Gespräch um das Engagement der „bildundtonfabrik“ bei der Aktion „Reconquista Internet“.

Vice Media gilt als werthaltiger junger Medienkonzern der Digitalära, der es geschafft hat, die begehrten „Millennials“ an sich zu binden. Philipp Alvares de Souza Soares, Redakteur des „manager magazins“, untersucht die Erfolgsgeschichte und den Führungswechsel von Co-Gründer Shane Smith zu Nancy Dubuc, die bislang dem Kabelanbieter A&E-Networks vorstand und nun die Sexismus-Vorwürfe an Vice entkräften soll.

FAZ-Redakteurin Julia Bähr begutachtet die „Krone der Netflix-Schöpfung“: die aufwändige Serie „The Crown“ geht in die 3. Staffel. Anlass genug, um einen Blick hinter die Netflix-Kulissen zu werfen. Der Politikwissenschaftler und Autor Hans Hütt wiederum hat die Dokumentation „Im Labyrinth der Macht“ von Stephan Lamby unter die Lupe genommen, um die Widrigkeiten bei der letzten Regierungsbildung in den Traditionen der antiken Tragödie zu sezieren.

Außerdem beschreibt der „Medienkorrespondenz“-Redakteur Volker Nünning den Reformdruck bei der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft. Trotz des eindeutigen Votums der Schweizer Bürger für einen solidarisch finanzierten Service public, steht der öffentlich-rechtliche Rundfunk in der Schweiz vor einschneidenden strukturellen Änderungen.

Dass dies auch dem deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunk gut zu Gesicht stehen würde,  meint Co-Herausgeber Lutz Hachmeister und verweist in seinem Editorial auf den „schwer alimentierten“ deutschen öffentlichen Rundfunk, der „ohne einen gravierenden Mentalitäts- und Managementwechsel seine eigene Marginalisierung weiter vorantreiben“ würde. Die medienpolitischen Debatten um die „Presseähnlichkeit“ öffentlich-rechtlicher Angebote wirkten angesichts der Fusionsdynamiken der großen Medienkonglomerate „nur mitleiderregend“.

 

Das Jahrbuch Fernsehen ist ab dem 13. September 2018 erhältlich.  Als eines der wenigen Foren für eine unabhängige Medienkritik in Deutschland bündelt das Jahrbuch „die treffendsten Analysen mit den kreativsten Kritiken und zahllosen Hintergrundinformationen zum Genre“ (Spiegel Online) und ist mit seinem aufwändigen und aktuellen Service- und Adressenteil für die Medienbranche „unverzichtbarer Wegbegleiter durchs Jahr“ (NZZ).

Die Herausgeber – das Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, die Medienkorrespondenz (Katholisches Medienhaus) und das Film Festival Cologne – stehen für die journalistische Qualität und medienpolitische Unabhängigkeit der Publikation. Dieter Anschlag/Claudia Cippitelli/Steffen Grimberg/Lutz Hachmeister/Johannes Hensen/Petra Müller/Sabine Sasse/ (Hrsg.): Jahrbuch Fernsehen 2018. Köln 2018, 452 Seiten, Broschur, 34,90 Euro, ISBN: 978-3-9813465-8-9; ISSN 0949-9997

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Letzte Änderung: 06.09.2018 12:25