Das Jahrbuch Fernsehen als Printversion

 

Das JAHRBUCH FERNSEHEN 2019 mit Essays von René Martens, Lucia Eskes, Nathalie Wappler, Jürn Kruse und einem Interview mit Annegret Kramp-Karrenbauer.

Hätten Sie’s gewusst: Die AfD hat eine ziemlich eindeutige Meinung zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk - und zu Medien und Journalismus an sich. Was vielleicht auch daran liegt, dass ein Teil ihres Spitzenpersonals vor dem Engagement für die Partei ein Leben bei ARD, ZDF und Deutschlandradio hatte. In seinem Essay  „Der lange Marsch zum rechten Rand“ analysiert der Medienjournalist René Martens die Laufbahnen und Umbrüche bekannter und unbekannterer TV-Journalisten, die heute als Renegaten in den Reihen der AfD sitzen.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk macht es ihnen und seinen anderen Gegner*nnen mit ihrer Kritik leicht, lässt sich aus Lucia Eskes Bilanz des aktuellen TV-Schaffens herauslesen: „Gewagt wird mittlerweile wenig, dafür wird alles durchformatiert: in der Sendelänge, in der Dramaturgie, im »Look and Feel« – man setzt auf bewährte Gesichter – und bitte: bloß keine Abweichungen“, schreibt die Leiterin des Grimme-Preises in ihrem Beitrag „Was bedeutet eine gute Quote?“. Das in „Standardware“ nicht die Zukunft des Fernsehschaffens liegen kann, betonen stets auch alle Programm-Macher*nnen. Doch warum sieht das reale TV-Erlebnis dann genau so aus?

Dass es auch anders gehen kann, belegt der Essay von SRG-Chefin Nathalie Wappler. Nach einem Ausflug in die bundesdeutsche Senderhierarchie beim MDR in die Schweiz zurück gekehrt, beschreibt sie am Beispiel der SRG-Sendung „True Talk« aus der Schweiz“, dass der veränderte Medienkonsum der jungen Generation für öffentlich-rechtliche Medienhäuser keine unüberbrückbare Hürde, sondern im Gegenteil eine Chance darstellt.

Schwieriger wird es beim Sport. Auch wenn die TV-Rechte an den jüngsten Olympischen Spielen doch wieder auf verschlungenen Pfaden bei ARD und ZDF gelandet sind: Neue Player wie DAZN haben die Welt des TV-Sports unwiderbringlich verändert, wie Jürn Kruse in seinem Beitrag „Alle Spiele, alle Tore, alles (wo)anders“ beschreibt: „Pay-TV war mal teuer und kompliziert. Heute ist Pay-TV simpel und sexy und hat einen unverfänglicheren Namen: Streaming.“

Ordnend eingreifen könnte und müsste hier die Medienpolitik. Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer setzt beim digitalen Wandel klar auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, den sie gleichwohl für stark reformbedürftig hält. Wie viel Unterhaltung darf es sein? fragt AKK und fordert eine deutliche Konzentration auf den öffentlich-rechtlichen Auftrag. „Als Nutzerin frage ich mich tatsächlich immer mal wieder, warum bestimmte gute Angebote erst gegen Mitternacht kommen und nicht zu anderen Zeiten, oder nur in den Spartenkanälen“, so Kramp-Karrenbauer. Insgesamt verhält sich die Politik aber abwartend im Angesicht medialer Umbrüche.

Zu abwartend, wie Steffen Grimberg im Editorial des Jahrbuchs Fernsehen meint: „Heute scheint der mediale Gesellschaftsvertrag, der Grundkonsens über eine notwendige Unterscheidung zwischen wahr und unwahr, zwischen einigermaßen ausgewogen und komplett interessengeleitet zwar noch nicht passé, aber zumindest stark löchrig geworden zu sein. In dieser Übergangsphase wird nun dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine gehobene Bedeutung attestiert: Von der Politik, von anderen verunsicherten Instanzen der »alten« Welt – und von ihm selbst. In der Tat hätte die Chance bestanden, die in den vergangenen drei Jahre aufgeworfene Frage über Auftrag, Legitimation und Ausgestaltung des öffentlich-rechtlichen Systems für eine gesellschaftspolitische Debatte über seine Zukunft zu nutzen. Was bisher daraus wurde, lässt einen aber doch eher ernüchtert und ratlos zurück“.

Das Jahrbuch Fernsehen ist ab dem 13. September 2019 erhältlich.  Als eines der wenigen Foren für eine unabhängige Medienkritik in Deutschland bündelt das Jahrbuch „die treffendsten Analysen mit den kreativsten Kritiken und zahllosen Hintergrundinformationen zum Genre“ (Spiegel Online) und ist mit seinem aufwändigen und aktuellen Service- und Adressenteil für die Medienbranche „unverzichtbarer Wegbegleiter durchs Jahr“ (NZZ).

Die Herausgeber – das Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, die Medienkorrespondenz (Katholisches Medienhaus) und das Film Festival Cologne – stehen für die journalistische Qualität und medienpolitische Unabhängigkeit der Publikation. Christopher Albrodt/Dieter Anschlag/Claudia Cippitelli/Steffen Grimberg/Johannes Hensen/Petra Müller (Hrsg.): Jahrbuch Fernsehen 2019. Köln 2019, 432 Seiten, Broschur, 34,90 Euro, ISBN: 978-3-9813465-9-6; ISSN 0949-9997

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Letzte Änderung: 16.12.2019 14:39