Jahrbuch Fernsehen

Das Jahrbuch Fernsehen als Printversion

Das neue JAHRBUCH FERNSEHEN 2018 - die 27. Ausgabe.

Das JAHRBUCH FERNSEHEN „bündelt die treffendsten Analysen mit den kreativsten Kritiken und zahllosen Hintergrundinformationen zum Genre.“ (Spiegel Online) und ist mit seinem aufwändigen und aktuellen Service- und Adressenteil „unverzichtbarer Wegbegleiter durchs Jahr“ (NZZ) und anerkannte Standardpublikation der deutschen TV-Landschaft. Es erscheint seit 1991.

Die Herausgeber – das Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, die „Medienkorrespondenz“, das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik und das Film Festival Cologne – bürgen für die journalistische Qualität und medienpolitische Unabhängigkeit der Publikation. » mehr...

Essay-Leseproben

»Ich hatte das Gefühl, dass dieses Tool die Welt verändern kann«

Ein Gespräch mit Philipp Käßbohrer (bildundtonfabrik)
Von Lutz Hachmeister

Philipp Käßbohrer, geboren 1983 in Biberach an der Riß, gründete 2008 mit seinem KHM-Kommilitonen Matthias Murmann die Produktionsfirma bildundtonfabrik (btf ). Noch wäh rend ihres Studiums bescherten sie dem ZDF mit der anarchischen Talkshow Roche und Böhmermann (17 Episoden ab März 2012 auf ZDFkultur) »eine der umjubeltsten Sendungen des Jahres« (Spiegel online) und wurden als Produzenten mit dem Förderpreis des Deutschen Fernsehpreises geehrt. Das Format wurde 2016/17 mit Olli Schulz als Schulz & Böhmermann bei ZDFneo fortgeführt. Seit Oktober 2013 produziert die btf die ebenfalls von Jan Böhmermann moderierte Late-Night-Satire-Show Neo Magazin Royale, die bereits mehrfach mit dem Deutschen Fernsehpreis und dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde.

Das Gespräch mit Philipp Käßbohrer führte Lutz Hachmeister in der btf in Köln-Ehrenfeld.
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Punks in der Pubertät

Vice Media galt bislang als Erfolgsgeschichte: Kaum ein Medienkonzern schaffte es so gut, die begehrten »Millennials« zu erreichen und gleichzeitig mit seinen Digitalangeboten auch Geld zu verdienen. Ein Missbrauchsskandal und Rückschläge im TV-Geschäft sorgten nun für Zweifel.
Von Philipp Alvares de Souza Soares

Wahrscheinlich kann es jetzt nur noch eine Frau richten. Die Ernennung von Nancy Dubuc zum CEO des US-Medienkonzerns Vice kam für viele in der Branche unerwartet. Dabei ist der Führungswechsel, der Mitte März durchsickerte, wohl das Beste, was dem krisengeplagten Unternehmen passieren konnte.

Shane Smith, der bisherige CEO und Co-Gründer, verkaufte die Personalie natürlich als Erfolg. Smith verglich sich und Dubuc gewohnt selbstbewusst mit dem Gangsterpaar Bonnie und Clyde, das nun auf Raubzug durch die Medienbranche gehen würde (»We will take all your money«).

Dubuc, die bislang dem Kabelanbieter A&E Networks vorstand, war Vice schon länger als Mitglied des Management Boards verbunden. Sie gilt als Expertin im Geschäft mit Videoinhalten, in das Vice immer aggressiver vorstößt. Dubuc war es, die »Viceland«, Vices ersten eigenen TV-Sender, zu A&E holte – in der Hoffnung, endlich mehr so genannte »Millennials« zu erreichen. Die 20- bis 35-Jährigen sind eine ebenso begehrte wie flüchtige Zielgruppe, die für klassische Medienkonzerne wie der A&E-Mutter Disney immer schwerer zu fassen sind. Bei Vice dreht sich alles um sie.
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Anhaltender Reformdruck

In der Schweiz steht der öffentlich-rechtliche Rundfunk vor einschnei denden strukturellen Änderungen – und das, obwohl sich die Bürger eindeutig für die SRG und einen solidarisch finanzierten Service public ausgesprochen haben.
Von Volker Nünning

Die große Erschütterung ist am 4. März 2018 nicht eingetreten. An diesem Tag haben die Schweizer in einer Volksabstimmung klar für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in dem eidgenössischen Staat votiert. 71,6 Prozent
der Wähler stimmten gegen die Forderung der sogenannten »No-Billag«-Initiative, die Radio- und Fernsehgebühren abzuschaffen. In jedem der 26 Kantone wurde die Initiative zurückgewiesen, und zwar mit einem Prozentanteil von mindestens über 62 Prozent. Überraschend deutlich fiel die Ablehnung der »No-Billag«-Initiative aus, deren Name auf die Billag AG zurückgeht, die die Radio- und Fernsehgebühren einzieht. Die Bürger sprachen sich eindeutig für den Erhalt der öffentlichrechtlichen Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) aus, die mit ihren Programmangeboten für die vier sprachregionalen Landesteile auch in einem beträchtlichen Maß zum Zusammenhalt der Schweiz beiträgt.

Die SRG ist das größte Medienunternehmen in der Schweiz; ihr Jahresbudget beläuft sich auf 1,6 Milliarden Schweizer Franken (1,35 Milliarden Euro laut Umrechnungskurs vom 16.5.2018). Mit deutlichem Abstand folgen die Verlagsgruppen Ringier und Tamedia. Deren Umsatz betrug 2017 jeweils rund eine Milliarde Franken (845 Millionen Euro). Der Haushalt der SRG wurde im vorigen Jahr zu drei Vierteln aus Einnahmen aus den Radio- und Fernsehgebühren gespeist, die die Schweizer derzeit zahlen müssen, wenn sie ein Radio- bzw. TV-Gerät besitzen (jährlich 451 Franken/380 Euro). Die Gebühreneinnahmen der SRG beliefen sich 2017 auf 1,218 Milliarden Franken. Die übrigen Erträge der Sendeanstalt stammten unter anderem aus Erlösen durch den Verkauf von Fernsehwerbezeiten. Diese Aufteilung der Einnahmen der SRG zeigt: Wäre die »No-Billag«-Initiative von den Bürgern angenommen worden, hätte dies das Ende der Sendeanstalt bedeutet. Sie hätte abgewickelt werden müssen.
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Die Krone der Netflix-Schöpfung

Das Großprojekt »The Crown« geht bald in die dritte Staffel
Von Julia Bähr

Es ist bis heute eins der teuersten Projekte, an die sich Netflix je gewagt hat. 80 Millionen Euro für die ersten beiden Staffeln, die aus je zehn knapp eine Stunde langen Folgen bestehen – »House of Cards« war ähnlich teuer, derzeit schlägt eigentlich fast nur »Game of Thrones« dank der computeranimierten Drachen mit deutlich höheren Beträgen zu Buche. Aber wofür all das Geld, wo »The Crown« doch weder Spezialeffekte benötigt noch einen Superstar wie Kevin Spacey bezahlen musste? Wer eine Ahnung davon gewinnen möchte, wohin das Budget von »The Crown« geflossen ist, muss sich jedenfalls nur zwei Szenen aus der ersten Staffel anschauen: die Hochzeit von Königin Elizabeth II. mit Philip Mountbatten und ihre Krönung. Beide zeigen, mit welch enormem Aufwand die Serie die visuelle Nachbildung der Geschichte betreibt, wie detailliert die Kleidung nachgeschneidert ist und wie verschwenderisch die Massenszenen besetzt sind. Eine Kathedrale voller historisch korrekt gewandeter Menschen – das konnten die Macher von »The Crown« kaum billiger in Szene setzen.

Peter Morgan heißt der Kopf hinter der Serie, und er ist Wiederholungstäter in Sachen Königshaus. Der britische Drehbuchautor verfasste bereits das Buch zu »Die Queen«, das 2006 von Stephen Frears mit Helen Mirren in der Hauptrolle verfilmt wurde und mit einem Golden Globe sowie einer Oscar-Nominierung ausgezeichnet wurde. Auch in seinem Theaterstück »The Audience« von 2013 hat die Queen die Hauptrolle und wird abermals von Helen Mirren dargestellt, doch ihr Privatleben bleibt außen vor: Es geht ausschließlich um ihre Gespräche mit den Premierministern zur Lage der Nation. Das sollte bei der monumentalen Serie, die Peter Morgan sich bald darauf ausdachte, anders sein. Die Queen in ihrer Zerrissenheit zwischen Privatleben und Königreich wollte er zeigen, von ihren Anfängen bis in die Neuzeit, aber nicht als Dokumentation, sondern als historische Fiktion.
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Der Wahnsinn geht weiter – eine Tragödie wird besichtigt.

Über Stephan Lambys Dokumentation »Im Labyrinth der Macht – Protokoll einer Regierungsbildung«
Von Hans Hütt

Die ersten Bilder zeigen einen leeren Konferenzsaal. Die Namensschilder sind austauschbar, stehen für die vielleicht schon verloren gegangene Idee von Repräsentation. Wann werden sie ausgetauscht? Durch wen? Das Leitmotiv erklingt, eine Bearbeitung zweier Kompositionen von Johann Sebastian Bach, ein maestoso triste in Moll, Kontrapunkt zur musikalischen Tradition eines Parteilieds, das noch Seit’ an Seit’ schreitet, aber nicht mehr zu wissen scheint, in welche Richtung die Reise gehen wird. Das Motiv durchzieht die Dokumentation wie eine Interpretationshilfe, trifft selbst eine melancholische Aussage zu dem Befund, zu dem die Dokumentation gelangt: der Wahnsinn geht weiter.

Das Recht des ersten Satzes erhält Alexander Gauland mit einem O-Ton vom Wahlabend: »Wir werden sie jagen!« Kein Halali. Weitere O-Töne bezeugen den situativen Orientierungsverlust in den ersten Reihen der politischen Parteien, postheroische Markierungen wie Nahles’ »ab morgen kriegen sie in die Fresse« und Christian Lindners leerer Satz, es sei »besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren«.
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Will TV find me?

Fernsehen nach Facebook und im Zeitalter des "Long Tail"
Von Holm Friebe

Ich bin ein Kind der TV-Ära. Im Wohnzimmer meiner Kindheit nahm der Fernseher neben der bildungsbürgerlichen Kompetenztapete – dem gut gefüllten Bücherregal – noch einen prominenten Platz ein. Dementsprechend prominent ragt das Fernsehen in meine Kindheitserinnerungen (natürlich nur Öffentlich-Rechtliches, die Privaten kamen ja erst später): Kränkelnde Vormittage verbrachte man vor den halbstündigen Schulfernseh-Sendungen im Dritten. Zum täglichen Ins-Bett-geh-Ritual gehörte die „Sesamstraße“. Sonntags, vor Vaters „Presseclub“ gab es die „Sendung mit der Maus“. Die Samstagabende bei den Großeltern gehörten – im Schlafanzug und mit einem Teller Apfelschnitzen – den großen Familien-Shows, „Verstehen Sie Spaß?” und allen voran „Wetten, dass...?”.

Florian Illies beschreibt in „Generation Golf”, seinem Portrait der Um-die-1970-Geborenen, diese Ur-Szene unserer zeitgleichen Jugend direkt am Anfang des Buches: „Ich bin zwölf und und neben den grünen Augen von Sonja, sonntags im Kindergottesdienst, ist das Aufregendste am ganzen Wochenende die Eurovisionsmusik vor ,Wetten, dass … ?’. Es war damals selbstverständlich, dass man ,Wetten, dass … ?’ mit Frank Elstner guckte, niemals wieder hatte man in späteren Jahren solch ein sicheres Gefühl, zu einem bestimmten Zeitpunkt genau das Richtige zu tun.”

Was hier mit einem Funken Wehmut und leiser Ironie seziert wird, sind die späten Ausläufer der Massenkultur einer nivellierten Mittelstandsgesellschaft, die auf Synchronizität angelegt war und in der das Fernsehen als Lagerfeuer-Ersatz ein Gefühl von Gemeinschaft und Zusammenhalt stiftete. Dass alle zur gleichen Zeit das gleiche gesehen haben (mussten), wurde nicht als einengend empfunden, sondern im Gegenteil: als identitätstiftend. Und wir sind vermutlich die letzten Jahrgänge, die das noch erleben durften. Vielleicht wurde keine Generation vorher und keine nachher stärker durch das Fernsehen sozialisiert als unsere. » mehr...

Die Kanalisation der Welt

Eine Argumentation gegen „betreutes Sehen“
Von Gert Scobel

Das Londoner Science Museum ist ebenso hervorragend wie beliebt – selbst bei Kindern und vor allem bei der im deutschen Fernsehen so heiß umworbenen Zielgruppe der Jugendlichen. Es unterhält einen gut gehenden Museumsladen, in dem sich ein für deutsche Fernsehschaffende geradezu unverzichtbares Souvenir erwerben lässt: Das „Reflect Mouse Pad“ mit dem guten alten deutschen Fernsehtestbild. Nun wissen Medienmacher längst, dass die Maus bis heute nicht nur in der Genetik das Forschungsmodell schlechthin ist. Auch in der eigenen Branche wurde die Maus als Modell für die Generation „Apple Plus“ zum Testfall. Denn die jüngste Generation hat die Maus, wie anscheinend auch das Fernsehen, abgeschafft. Vielleicht gehört auch deshalb beides, Mauspad und Fernsehen, zusammen. Auf der Verpackung des Londoner Science-Museum-Mouse-Pad ist jedenfalls nicht nur zu lesen, wie hervorragend die Qualität dieser speziell für optische High-Tech-Lasermäuse entwickelte Unterlage sei. Sondern auch wie überaus stilvoll und ästhetisch passend. Denn diese Testbild-Mausunterlage und ihre Retro-TV-Grafik sind gemacht worden um uns liebevoll zu erinnern an die Schönheit einer soon-to-be obsolete technology. » mehr...

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Letzte Änderung: 03.09.2018 16:13