Jahrbuch Fernsehen

Das Jahrbuch Fernsehen als Printversion

Das neue JAHRBUCH FERNSEHEN 2017 - die 26. Ausgabe.

Das JAHRBUCH FERNSEHEN „bündelt die treffendsten Analysen mit den kreativsten Kritiken und zahllosen Hintergrundinformationen zum Genre.“ (Spiegel Online) und ist mit seinem aufwändigen und aktuellen Service- und Adressenteil „unverzichtbarer Wegbegleiter durchs Jahr“ (NZZ) und anerkannte Standardpublikation der deutschen TV-Landschaft. Es erscheint seit 1991.

Die Herausgeber – das Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, die „Medienkorrespondenz“, das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik und das Film Festival Cologne – bürgen für die journalistische Qualität und medienpolitische Unabhängigkeit der Publikation. » mehr...

Essay-Leseproben

"Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter!"

Die Öffentlich-Rechtlichen und die sogenannten soziale nMedien.
Von Christian Bartels

Die Silben »Fake-« und »Face-« ziehen sich durch das Medienjahr 2017. Der Begriff »Fake News« ist zwar diffus wie die meisten Anglizismen. Im Nachklang der Wahl Donald Trumps zum US-amerikanischen Präsidenten und als Teil der Erklärungsversuche drang er zum Beginn des deutschen Superwahljahres dennoch in die Bundespolitik durch.

Ob lange angekündigte oder schnell in die Tat umgesetzte Maßnahmen wie ein »Abwehrzentrum gegen Falschmeldungen« oder das Netzwerkdurchsetzungsgesetz, das Bundesjustizminister Heiko Maas noch vor der Wahl in Kraft setzen möchte, zustande kommen und dann eher helfen oder zusätzliche Verwirrung stiften, war zum Redaktionsschluss so wenig absehbar wie die Auswirkungen von Facebooks Ankündigungen in derselben Sache. Der Konzern plant, mit Hilfe »externer Faktenprüfer« auch in Deutschland Nachrichten, die potenziell falsch oder (wie es in den USA heißt) »disputed « sind, zu kennzeichnen; seit April verbreitet er, ebenfalls mit externen Partnern, »Tipps zum Erkennen von Falschnachrichten«. Jedenfalls spiegelt die verschärfte Frequenz der Ankündigungen die weiter beschleunigte Dynamik des Zusammenwachsens aller Medien.
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YouTuber als Politikvermittler

Die Generation Y schaut kein Fernsehen und findet Politik uncool – mit ungewöhnlichen Formaten versuchen einige YouTuber, sie für das Weltgeschehen zu begeistern.
Von Senta Krasser

Donald Trump schien im Januar 2016 noch ein einziges großes Missverständnis auf dem Weg ins Weiße Haus zu sein, da sah sich Amtsinhaber Barack Obama in einem YouTube- Interview mit der Frage konfrontiert, warum Binden, Tampons und andere Menstruationsprodukte in 38 US-Staaten als Luxusgüter besteuert werden. Fragestellerin war die damals 26-jährige Ingrid Nilsen, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Missglamorazzi. Nilsen ist eine so genannte YouTube-Künstlerin (engl. Creator). Ihren YouTube-Kanal haben vier Millionen Menschen abonniert. Mit Videos über Make-up, Mode und Lifestyle ist er groß geworden. Mit Bekenntnissen zur gleichgeschlechtlichen Liebe und Appellen an die Frauengesundheitsfürsorge setzt Nilsen, nun ja, auch gesellschaftspolitisch relevante Akzente, die Obamas Social-Media-Beratern nicht verborgen blieben.

Spektakulär war dieses tief in die weibliche Intimsphäre gehende Interview, live gestreamt aus dem Eastern Room des Weißen Hauses, nur insofern, als Obama au fNilsens Frage nach der »tampon tax« keine Antwort wusste; das »Problem«war ihm schlicht nicht bekannt. Dass er sich von einer Beauty-Vloggerin befragen ließ, war dagegen fast schon business as usual. In den acht Jahren seiner Präsidentschaft stellte sich Obama wie selbstverständlich regelmäßig den Fragen der Stars aus dem Netz. Als erster US-Präsident überhaupt suchte und förderte er den Dialog. YouTube als Instrument der Politikvermittlung, als Ort der politischen Debatte und direkten Auseinandersetzung mit Politikern, wo man zu fragen wagt, was man schon immer wissen wollte, ist nicht zuletzt dank Obama akzeptiert. Zumindest in den USA. Oder kann sich irgendwer vorstellen, dass im bevorstehenden Bundestagswahlkampf die deutsche Ingrid Nilsen, die »BibisBeautyPalace«-Betreiberin Bianca Heinicke, den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz auf die schreiende Ungerechtigkeit antippt, dass auch hier Tampons höher besteuert werden als Kaviar?
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Die RBB-Rockerin

Schonmit 16 stand für Patricia Schlesinger fest, dass sie Journalistin werden würde. Seitdem hat sie eine schnurgerade Karriere hingelegt – bis zum Intendantinnenposten beim RBB.
Von Juliane Wiedemeier

Falls das Büro der neuen RBB-Intendantin sich entscheiden müsste, welches der beiden das Sendegebiet bildenden Bundesländer es darstellt, dann fiele die Wahl eindeutig auf Brandenburg: Geringe Besiedlung dank viel Fläche zwischen Konferenztisch zur Linken und dem Schreibtisch zur Rechten. Nur eine Einwohnerin. Und bis zur Großstadt Berlin ist es zwar nur eine kurze Reise, die fühlt sich aber sehr weit an; in diesem Fall 13 Stockwerke mit einem in die Jahre gekommenen Fahrstuhl.

Seit dem1. Juli 2016 ist Patricia Schlesinger die neue Chefin beim Rundfunk Berlin-Brandenburg. Angetreten ist die Journalistin, die beim NDR zuletzt den Programmbereich Kultur und Dokumentation leitete, mit dem Satz »Wir wollen den RBB rocken«. Auf einer Skala von Tanztee für Rollatoren-Nutzer bis Berghain findet sich der RBB deutlich näher an Ersterem. An Ehrgeiz mangelt es der Neuen also schon mal nicht.
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Die Literaturvermittler

Seit Jahrzehnten werden im deutschsprachigen Fernsehen Bücher diskutiert und präsentiert. Eigentlich ein kulturelles Nischenprogramm, bieten sie Orientierung,Unterhaltung – und manchmal auch Skandale.
Von Heike Hupertz

Fernsehen ist ein Medium der Information und Unterhaltung, genau wie Bücher es auch sind. Fernsehen besteht aus Bewegtbildern; Bücher, ob gedruckt oder digital, bestehen in der Regel aus Sätzen, selbst Bildbände enthalten zumeist Text. Will Fernsehen Bücher präsentieren, also darstellen, muss es Übersetzung leisten – Text in Bilder, gedruckte Sätze in Kommentare, ein Schriftgebilde in ein dramatisiertes Geschehen.

Die Grundform der Fernsehbuchpräsentation ist dem akademischen Diskurs entlehnt und besteht in einer Art Bühnenpodium: Die Talkshow, das moderierte Gespräch. Sie enthält theatralische wie informative Elemente. Menschen mit Expertise (Berufsleser, Prominente, gelegentlich Alltagsrepräsentanten) sprechen im Studio oder an mitsprechenden Orten über Bücher. Flankierende Maßnahme dieser Minimalinszenierung: Buchcover abfilmen, Getränke reichen. Man spricht in diesem Zusammenhang von Kulturfernsehen, was genealogisch stimmt, aber nicht zwingend und für viele sogar ein Widerspruch in sich ist.
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Will TV find me?

Fernsehen nach Facebook und im Zeitalter des "Long Tail"
Von Holm Friebe

Ich bin ein Kind der TV-Ära. Im Wohnzimmer meiner Kindheit nahm der Fernseher neben der bildungsbürgerlichen Kompetenztapete – dem gut gefüllten Bücherregal – noch einen prominenten Platz ein. Dementsprechend prominent ragt das Fernsehen in meine Kindheitserinnerungen (natürlich nur Öffentlich-Rechtliches, die Privaten kamen ja erst später): Kränkelnde Vormittage verbrachte man vor den halbstündigen Schulfernseh-Sendungen im Dritten. Zum täglichen Ins-Bett-geh-Ritual gehörte die „Sesamstraße“. Sonntags, vor Vaters „Presseclub“ gab es die „Sendung mit der Maus“. Die Samstagabende bei den Großeltern gehörten – im Schlafanzug und mit einem Teller Apfelschnitzen – den großen Familien-Shows, „Verstehen Sie Spaß?” und allen voran „Wetten, dass...?”.

Florian Illies beschreibt in „Generation Golf”, seinem Portrait der Um-die-1970-Geborenen, diese Ur-Szene unserer zeitgleichen Jugend direkt am Anfang des Buches: „Ich bin zwölf und und neben den grünen Augen von Sonja, sonntags im Kindergottesdienst, ist das Aufregendste am ganzen Wochenende die Eurovisionsmusik vor ,Wetten, dass … ?’. Es war damals selbstverständlich, dass man ,Wetten, dass … ?’ mit Frank Elstner guckte, niemals wieder hatte man in späteren Jahren solch ein sicheres Gefühl, zu einem bestimmten Zeitpunkt genau das Richtige zu tun.”

Was hier mit einem Funken Wehmut und leiser Ironie seziert wird, sind die späten Ausläufer der Massenkultur einer nivellierten Mittelstandsgesellschaft, die auf Synchronizität angelegt war und in der das Fernsehen als Lagerfeuer-Ersatz ein Gefühl von Gemeinschaft und Zusammenhalt stiftete. Dass alle zur gleichen Zeit das gleiche gesehen haben (mussten), wurde nicht als einengend empfunden, sondern im Gegenteil: als identitätstiftend. Und wir sind vermutlich die letzten Jahrgänge, die das noch erleben durften. Vielleicht wurde keine Generation vorher und keine nachher stärker durch das Fernsehen sozialisiert als unsere. » mehr...

Die Kanalisation der Welt

Eine Argumentation gegen „betreutes Sehen“
Von Gert Scobel

Das Londoner Science Museum ist ebenso hervorragend wie beliebt – selbst bei Kindern und vor allem bei der im deutschen Fernsehen so heiß umworbenen Zielgruppe der Jugendlichen. Es unterhält einen gut gehenden Museumsladen, in dem sich ein für deutsche Fernsehschaffende geradezu unverzichtbares Souvenir erwerben lässt: Das „Reflect Mouse Pad“ mit dem guten alten deutschen Fernsehtestbild. Nun wissen Medienmacher längst, dass die Maus bis heute nicht nur in der Genetik das Forschungsmodell schlechthin ist. Auch in der eigenen Branche wurde die Maus als Modell für die Generation „Apple Plus“ zum Testfall. Denn die jüngste Generation hat die Maus, wie anscheinend auch das Fernsehen, abgeschafft. Vielleicht gehört auch deshalb beides, Mauspad und Fernsehen, zusammen. Auf der Verpackung des Londoner Science-Museum-Mouse-Pad ist jedenfalls nicht nur zu lesen, wie hervorragend die Qualität dieser speziell für optische High-Tech-Lasermäuse entwickelte Unterlage sei. Sondern auch wie überaus stilvoll und ästhetisch passend. Denn diese Testbild-Mausunterlage und ihre Retro-TV-Grafik sind gemacht worden um uns liebevoll zu erinnern an die Schönheit einer soon-to-be obsolete technology. » mehr...

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Letzte Änderung: 20.07.2017 19:20