Jahrbuch Fernsehen

Das Jahrbuch Fernsehen als Printversion

Das neue JAHRBUCH FERNSEHEN 2019 - die 28. Ausgabe.

Das JAHRBUCH FERNSEHEN „bündelt die treffendsten Analysen mit den kreativsten Kritiken und zahllosen Hintergrundinformationen zum Genre.“ (Spiegel Online) und ist mit seinem aufwändigen und aktuellen Service- und Adressenteil „unverzichtbarer Wegbegleiter durchs Jahr“ (NZZ) und anerkannte Standardpublikation der deutschen TV-Landschaft. Es erscheint seit 1991.

Die Herausgeber – das Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, die „Medienkorrespondenz“, das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik und das Film Festival Cologne – bürgen für die journalistische Qualität und medienpolitische Unabhängigkeit der Publikation. » mehr...

Essay-Leseproben

Der lange Marsch zum rechten Rand

Wie Fernsehjournalisten im AfD-Milieu landeten
Von René Martens

Man würde dem Journalisten Jürgen Braun wohl nicht zu nahe treten, wenn man ihm attestierte, dass er sich in der Medienbranche keinen allzu großen Namen gemacht hat. Er leitete von 1995 bis 1997 beim MDR-Fernsehen im Landesfunkhaus Sachsen das Ressort Wirtschaft/Verbraucher/Umwelt und war später unter anderem Chefredakteur beim kurzlebigen regionalen Privat-Fernsehsender B.TV in Baden-Württemberg.

Heute hat Braun, Jahrgang 1961, ungleich mehr Einfluss – weil er zu den parlamentarischen Geschäftsführern der AfD-Fraktion im Bundestag gehört. Aufgrund der organisatorischen Macht, die dieser Posten mit sich bringt, gehört Braun zu den wichtigen Journalisten innerhalb seiner Partei – darauf darf er sich gewiss etwas einbilden, denn die Konkurrenz ist hart. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik gab es eine Partei, in der Journalisten derart wirkmächtig sind wie derzeit in der AfD. Bereits 2016 stellte Spiegel Online fest: »Kaum eine andere Partei versammelt so viele Ex-Journalisten und frühere Publizisten, oft in führender Position.« Dazu zählen Nicolaus Fest, der ehemalige stellvertretende Chefredakteur der »Bild am Sonntag«, der kurz nach seinem Parteieintritt gleich forderte, in Deutschland »alle Moscheen zu schließen«, Günther Lachmann, einst AfD-Experte bei der Tageszeitung »Die Welt«, und Michael Klonovsky, der fast ein Vierteljahrhundert lang Redakteur beim Magazin »Focus« war. Lachmann ist seit 2016 für die »strategische Kommunikation« der AfD-Fraktion Thüringen zuständig, Klonovsky arbeitet als persönlicher Referent von Bundestagsfraktionschef Alexander Gauland.
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Alle Spiele, alle Tore, alles (wo)anders

Neue Player wie DAZN mischen die lange Zeit geordnete deutsche
Fußballfernsehwelt auf
Von Jürn Kruse

Fast zweieinhalb Jahrzehnte war die einzige Frage, die sich Fußballfans ohne Pay-TV-Abo vor einer Champions-League-Woche stellten: Läuft das gewünschte Spiel im Free-TV? Die Antworten »ja« und »nein« definierten die weitere Planung für den Dienstag- oder Mittwochabend: »Ja« war gleich heimisches Sofa. »Nein« war gleich Kneipe oder: mal ein gutes Buch. Ende der Überlegungen.

Das ist vorbei. Seitdem sich der Pay-TV-Sender Sky die Übertragungsrechte für die Jahre 2018 bis 2021 gesichert und einen großen Teil der Spiele an den noch jungen Streaminganbieter DAZN weiterverkauft hat, ist die Königsklasse des Fußballs aus dem frei empfangbaren Fernsehen verschwunden.

Und wer heute wissen will, welches Spiel wann wo zu sehen ist, braucht ein kleines Zuschauerdiplom. So erklärte beispielsweise der »Kicker« seinen Lesern, wie die Gruppenphase der Champions League zwischen den beiden Rechteinhabern aufgeteilt würde: »Pro Champions-League-Dienstag und -Mittwoch finden zwei Spiele um 18.55 Uhr und sechs um 21 Uhr statt. Bei Sky läuft an jedem Tag nur noch ein Einzelspiel live und exklusiv, dazu pro Anstoßzeit eine Konferenz. An neun der zwölf Übertragungstage darf sich Sky das Einzelspiel aussuchen, an den anderen drei hat DAZN das Erstwahlrecht.« In der K.o.-Runde war das Prozedere nicht viel einfacher.

Es ist eine Zäsur im deutschen Fernsehen. Ein »tektonisches Beben«, wie ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann es nennt, das »ordentliche Verschiebungen« ausgelöst habe.
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»True Talk« aus der Schweiz

Der veränderte Medienkonsum der jungen Generation als Chance für
öffentliche Medienhäuser
Von Nathalie Wappler

Viele kennen es aus der eigenen Biografie oder haben es im persönlichen Umfeld beobachtet: Irgendwann, häufig um die 30, passieren mit der Heirat und der Geburt der eigenen Kinder einschneidende Veränderungen im Leben. Es sind Veränderungen, die auch einen großen Einfluss auf die Mediennutzung haben. Seien es Kindererziehung, Teilzeitarbeit und Babysitting, später Nachhilfeunterricht, Handykonsum oder die Höhe des Taschengeldes – viele Themen, die vorher fürs eigene Leben keine Bedeutung hatten, erhalten von einem Tag auf den anderen eine hohe Relevanz. Da das erste Kind zudem den Tagesablauf der Eltern komplett über den Haufen wirft, muss der Medienkonsum auch zeitlich und örtlich neu organisiert werden. Konfrontiert mit diesen Herausforderungen der Familiengründung und den daraus folgenden Einflüssen auf den Medienkonsum ist eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung, sind es doch 51 Prozent aller Personen, die in einem gemeinsamen Haushalt mit mindestens einem Kind unter 25 Jahren leben (Bundesamt für Statistik, Familien in der Schweiz 2017: 11). Auf den ersten Blick erscheint es deshalb selbstverständlich, dass ein öffentliches Medienhaus wie Schweizer Radio und Fern sehen (SRF) im linearen und non-linearen Bereich über eine breite Palette an Angeboten für junge Familien verfügen sollte. So einfach ist es jedoch nicht.

Seit geraumer Zeit machen wir uns intern noch stärker als früher Gedanken über unser Gesamtpublikum und alle darin enthaltenen Zielgruppen. Wichtige Leitfragen sind, ob wir wirklich ein Programm für alle anbieten und ob wir die Lebenswirklichkeit aller Bevölkerungsschichten im Land abbilden. Ihren Ursprung hatten diese Überlegungen in einer Volksabstimmung, in der es um nicht mehr und nicht weniger als unsere Existenz ging.
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Was bedeutet: eine gute Quote?

In der Standardware kann nicht die Fernsehzukunft liegen
Von Lucia Eskes

Einen Text über das Fernsehjahr zu schreiben, ist eigentlich eine ganz einfache Angelegenheit. Man kann über all das Schlechte schreiben, was es wieder einmal dort zu sehen gab. Man kann über all das Gute schreiben, was es dort auch zu sehen gab. Man kann thematische Schwerpunkte extrahieren, die es in jedem Jahr gibt und die das gesellschaftliche Klima widerspiegeln, oder besonders gelungene oder besonders misslungene Produktionen benennen. Welche, die begeistert, erschüttert oder bewegt oder welche, die entsetzt und schockiert haben. Man könnte analysieren, wie hoch der Verseichtungsanteil tatsächlich ist, ob der Anteil an den sogenannten hochwertigen Informationsprogrammen wirklich über dem liegt, was uns da so an Heile-Welt- und Wohlfühl-Quark allabendlich und -täglich präsentiert wird. Und zwar auf (fast) allen Kanälen.

Man kann über die großen Veränderungen sprechen, die das Medium in den vergangenen Jahren erfahren hat. Nicht nur durch das Internet, durch Videoplattformen, Streamingangebote, durch das Erstarken des Pay-TV, wo man mittlerweile auch bemerkt hat, dass man auch mit hochwertigen Produktionen und nicht nur mit Fußball Abonnenten dazugewinnen kann. Man könnte eine Vorhersage wagen, wohin es in den nächsten Jahren gehen wird. Ob das lineare (Fernseh-)Angebot tatsächlich im Sterben liegt und nur noch von der Gattung des (vermeintlich) vergreisten Musikantenstadl- und Fernsehgarten-Liebhabers am Leben erhalten wird und sowieso alle anderen nur noch High-End-Serienim Binge-Watching-Modus (oder -Wahn) konsumieren. Ob der gemeine Fernsehfilm aussterben und es rund um die Uhr nur noch Serien geben wird. Oder Krimis in allen Variationen. Schließlich sei es das, was Zuschauer*innen sehen wollen. Womit wir zu einem entscheidenden, aber heiklen Punkt kämen: der Quote.
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»Wie viel Unterhaltung darf es sein?«

Ein Gespräch mit Annegret Kramp-Karrenbauer
Von Steffen Grimberg

Annegret Kramp-Karrenbauer, geboren 1962 in Völklingen, trat 1981 in die CDU ein. Von 2000 bis 2011 war sie Landesministerin in verschiedenen Ressorts und von 2011 bis 2018 Ministerpräsidentin des Saarlandes. 1998 war sie zudem Mitglied des Deutschen Bundestags sowie von 1999 bis 2018 Mitglied des Landtags des Saarlandes. Von 2011 bis 2018 hatte Kramp-Karrenbauer auch das Amt der Landesvorsitzenden der CDU Saar inne. Im Februar 2018 erfolgte der Wechsel in die Bundespolitik als Generalsekretärin der CDU. Seit Dezember 2018 ist Annegret Kramp-Karrenbauer Bundesvorsitzende der CDU und seit dem 17. Juli 2019 Bundesministerin der Verteidigung. Kramp-Karrenbauer ist in Nachfolge von Rita Süssmuth seit 2015 auch Präsidentin des Deutschen Volkshochschulverbands (DVV), einem der Träger des Grimme-Instituts.

Das Gespräch führte Steffen Grimberg während der Grimme-Preisverleihung in Marl.
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Will TV find me?

Fernsehen nach Facebook und im Zeitalter des "Long Tail"
Von Holm Friebe

Ich bin ein Kind der TV-Ära. Im Wohnzimmer meiner Kindheit nahm der Fernseher neben der bildungsbürgerlichen Kompetenztapete – dem gut gefüllten Bücherregal – noch einen prominenten Platz ein. Dementsprechend prominent ragt das Fernsehen in meine Kindheitserinnerungen (natürlich nur Öffentlich-Rechtliches, die Privaten kamen ja erst später): Kränkelnde Vormittage verbrachte man vor den halbstündigen Schulfernseh-Sendungen im Dritten. Zum täglichen Ins-Bett-geh-Ritual gehörte die „Sesamstraße“. Sonntags, vor Vaters „Presseclub“ gab es die „Sendung mit der Maus“. Die Samstagabende bei den Großeltern gehörten – im Schlafanzug und mit einem Teller Apfelschnitzen – den großen Familien-Shows, „Verstehen Sie Spaß?” und allen voran „Wetten, dass...?”.

Florian Illies beschreibt in „Generation Golf”, seinem Portrait der Um-die-1970-Geborenen, diese Ur-Szene unserer zeitgleichen Jugend direkt am Anfang des Buches: „Ich bin zwölf und und neben den grünen Augen von Sonja, sonntags im Kindergottesdienst, ist das Aufregendste am ganzen Wochenende die Eurovisionsmusik vor ,Wetten, dass … ?’. Es war damals selbstverständlich, dass man ,Wetten, dass … ?’ mit Frank Elstner guckte, niemals wieder hatte man in späteren Jahren solch ein sicheres Gefühl, zu einem bestimmten Zeitpunkt genau das Richtige zu tun.”

Was hier mit einem Funken Wehmut und leiser Ironie seziert wird, sind die späten Ausläufer der Massenkultur einer nivellierten Mittelstandsgesellschaft, die auf Synchronizität angelegt war und in der das Fernsehen als Lagerfeuer-Ersatz ein Gefühl von Gemeinschaft und Zusammenhalt stiftete. Dass alle zur gleichen Zeit das gleiche gesehen haben (mussten), wurde nicht als einengend empfunden, sondern im Gegenteil: als identitätstiftend. Und wir sind vermutlich die letzten Jahrgänge, die das noch erleben durften. Vielleicht wurde keine Generation vorher und keine nachher stärker durch das Fernsehen sozialisiert als unsere. » mehr...

Die Kanalisation der Welt

Eine Argumentation gegen „betreutes Sehen“
Von Gert Scobel

Das Londoner Science Museum ist ebenso hervorragend wie beliebt – selbst bei Kindern und vor allem bei der im deutschen Fernsehen so heiß umworbenen Zielgruppe der Jugendlichen. Es unterhält einen gut gehenden Museumsladen, in dem sich ein für deutsche Fernsehschaffende geradezu unverzichtbares Souvenir erwerben lässt: Das „Reflect Mouse Pad“ mit dem guten alten deutschen Fernsehtestbild. Nun wissen Medienmacher längst, dass die Maus bis heute nicht nur in der Genetik das Forschungsmodell schlechthin ist. Auch in der eigenen Branche wurde die Maus als Modell für die Generation „Apple Plus“ zum Testfall. Denn die jüngste Generation hat die Maus, wie anscheinend auch das Fernsehen, abgeschafft. Vielleicht gehört auch deshalb beides, Mauspad und Fernsehen, zusammen. Auf der Verpackung des Londoner Science-Museum-Mouse-Pad ist jedenfalls nicht nur zu lesen, wie hervorragend die Qualität dieser speziell für optische High-Tech-Lasermäuse entwickelte Unterlage sei. Sondern auch wie überaus stilvoll und ästhetisch passend. Denn diese Testbild-Mausunterlage und ihre Retro-TV-Grafik sind gemacht worden um uns liebevoll zu erinnern an die Schönheit einer soon-to-be obsolete technology. » mehr...

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Letzte Änderung: 23.09.2019 12:49