Jahrbuch Fernsehen

Das Jahrbuch Fernsehen als Printversion

Das neue JAHRBUCH FERNSEHEN 2015 - ab sofort erhältlich.

Das JAHRBUCH FERNSEHEN „bündelt die treffendsten Analysen mit den kreativsten Kritiken und zahllosen Hintergrundinformationen zum Genre.“ (Spiegel Online) und ist mit seinem aufwändigen und aktuellen Service- und Adressenteil „unverzichtbarer Wegbegleiter durchs Jahr“ (NZZ) und anerkannte Standardpublikation der deutschen TV-Landschaft. Es erscheint seit 1991.

Die Herausgeber – das Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, die Deutsche Kinemathek, die „Funkkorrespondenz“, das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik und die Cologne Conference – bürgen für die journalistische Qualität und medienpolitische Unabhängigkeit der Publikation. » mehr...

Essay-Leseproben

Es gibt keine digitale Gesellschaft

Anmerkungen zu einem politischen Phantom
Von Lutz Hachmeister

Nicholas Negroponte hatte einige Jahre lang für das schicke, noch im alten Stil auf Papier gedruckte US-Technologiemagazin „Wired“ Zukunftskolumnen geschrieben, über den „Wechsel vom Atom zum Bit“, wie er es nannte, über das Potential des gigantischen elektronischen Datentransfers und das „Digitale“ an und für sich. In der „Digitalzeit“ werde es nur noch „wenig Echtzeitfernsehen geben“, sagte er etwa voraus, so wie es in seinen Kolumnen der frühen 1990er Jahre sehr zentral und aus heutiger Sicht fast altmodisch um „Multimedia“, „Television“ und Entertainment geht. Besonders ingrimmig griff Negroponte vor zwei Dekaden die überholte Nutzung des Faxgeräts an („ein japanisches Erbe“), das angesichts von Email und digitalen Scans völlig überflüssig und lästig sei.

Im Dezember 1998 setzte der Sohn eines griechischen Reeders in einem letzten „Wired“-Text dann einen verblüffenden, aber logischen Schlusspunkt: „Seht der Wahrheit ins Gesicht: Die Digitale Revolution ist vorbei“, rief er seinen Lesern zu. Das „Digital-Sein“ werde so selbstverständlich wie das Atmen oder Wassertrinken, es habe damit sein Unterscheidungspotential verloren. Die wirklich überraschenden Veränderungen lägen jetzt woanders, „in unserem Lebensstil und wie wir gemeinsam unser Leben auf diesem Planeten gestalten“. Negroponte kam dann auf Fragen der Energieversorgung, der sozialen Gleichheit und der Geopolitik zu sprechen, natürlich ausgehend von den Wirkungen der „digitalen Revolution“, aber soziologisch darüber hinausweisend. Später bezeichnete man in gewissen Fachkreisen diese Argumentation als „postdigital“.
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Wie werde ich YouTuber?

Sind Multi Channel Networks das neue Fernsehen?
Von Sabine Sasse

Traditionelle Fernsehsender wie das ZDF, RTL oder Sat.1 sehen sich heute von mindestens drei Seiten umzingelt: vom erst seit kurzem in Deutschland profitablen Pay TV (Sky) und vom kapitalstarken US-Internetanbieter Netflix, aber auch von den sogenannten „YouTubern“. Das Zauberwort heißt hier Multi Channel Networks – kurz: MCNs.  Im Gegensatz zum geordneten Regelprogramm des gesetzten „linearen Fernsehens“, mit seinen endlos abgenutzten „Formaten“, wird hier wilder „Content“ für die Jugend produziert, schneller, schriller, billiger. Die Sendeanstalten mit ihren langatmigen, überteuerten und undemokratischen Produktionsprozessen und ihrem veralteten  Ausstrahlungsmodus reagieren mit eher hilflosen Anpassungsversuchen.

MCNs sind Netzwerke, die eine mehr oder weniger große Anzahl von YouTube-Kanälen unter einem Dach bündeln und dabei ähnlich funktionieren wie Verlage oder Plattenfirmen. Sie versuchen, möglichst erfolgreiche YouTuber – auch Creatoren genannt – mit möglichst vielen Abonnenten und Views vertraglich an sich zu binden. Denen bieten sie Unterstützung in den Bereichen Reichweitenaufbau, Programmierung, Finanzierung, Crosspromotion, Management, Verwaltung und Vermarktung sowie Workshops, Seminare und vieles mehr. Ähnlich wie TV-Produktionsfirmen haben MCNs Redaktionen, Studios, Kameraleute, Redakteure und Ausstatter. Im Unterschied zum TV-Betrieb werden jedoch nicht Programmschienen gefüllt, sondern eine schier unendliche Anzahl von Kanälen, die man jederzeit abrufen kann.

Wichtig ist vor allem, möglichst große Reichweiten aufzubauen, denn Views sind heute die Währung der Mediaagenturen. Das funktioniert in etwa wie bei Amazon: Geht ein noch nicht so bekannter YouTuber mit einem neuen Kanal an den Start, dockt ihn das Netzwerk an erfolgreiche Protagonisten mit ähnlichen Inhalten an, deren Fans der Neuling empfohlen wird. Für ihre Dienste erhält das Netzwerk einen vertraglich fixierten Anteil der eingenommenen Werbeeinnahmen.
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Subtile Diskriminierung

Warum es Regisseurinnen bei Fernsehsendern schwer haben
Von Hannah Pilarczyk

Als im November 2014 der erste Diversitätsbericht des Bundesverbandes Regie (BVR) erscheint, reagieren Filmemacherinnen empört auf die Ergebnisse. „Es kommt einem Arbeitsverbot gleich, wie wenig Regisseurinnen drehen dürfen“, sagt Isabell Šuba. Die Medien geben die Zahlen hingegen eher beiläufig in kurzen Berichten wieder.

Vier Wochen zuvor hat der Verein „Pro Quote Regie“ seine Forderung nach einer gestaffelten Quote für Regisseurinnen in den Bereichen Film und Fernsehen unter größerem medialen Aufsehen öffentlich gemacht: In drei Jahren sollen 30 Prozent aller Regieaufträge an Frauen gehen, in fünf Jahren 42 Prozent, und in 10 Jahren soll mit 50 Prozent Parität erreicht sein. Der „Spiegel“ berichtet exklusiv, „Süddeutsche“, „FAZ“, „taz“ und andere ziehen nach.

Damit hatte „Pro Quote Regie“ scheinbar einen Großteil des medialen Aufmerksamkeitspotenzials für das Thema „Frauen in der Film- und Fernsehbranche“ aufgebraucht. Dabei weisen die Zahlen des „Ersten Regie-Diversitätsberichts des BVR 2010–2013“, der kostenlos im Internet aufgerufen werden kann, nicht nur auf einen allgemeinen Missstand hin: Nämlich dass Frauen zwar 42 Prozent aller Regieabsolventen der deutschen Filmhochschulen ausmachen, aber nach dem Berufseinstieg immer weniger Regieaufträge erhalten, bis sich ihr Anteil an Film- und Fernsehproduktionen halbiert und auf unter 20 Prozent sinkt.
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Weniger Degeto ist mehr Degeto

Christine Strobl repariert ein jahrelang verrottetes System
Von Jan Freitag

Nein, sie spricht ihn nicht aus, diesen Namen. Als laute er Lord Voldemort, redet die Gläubige guten Fernsehens für die Masse um den heißen Brei herum, sucht nach Synonymen, verliert sich in Allgemeinplätzen. Denn Christine Neubauer  kommt der anderen Christine namens Strobl nicht so leicht über die Lippen. „Sie ist leider zum Symbol einer blöden Debatte geworden“, befindet die Geschäftsführerin der Degeto Film GmbH über den früheren Superstar ihres neuen Arbeitgebers und presst  lächelnd den Mund zusammen.

Seit drei Jahren leitet Christine Strobl Deutschlands vielleicht einflussreichstes TV-Unternehmen, zuständig für alles von Eigenproduktionen über die Kofinanzierung bis hin zu Ankauf und Lizensierung. Rund 400 Millionen Euro stehen ihr pro Jahr zur Verfügung, mit denen 72 Mitarbeiter auch 2015 gut 160 Erstausstrahlungen ins ARD-Programm und das ihrer Satellitensender hieven. Von den vielen Kreativen der heimischen wie internationalen Filmbranche ganz zu schweigen, die vier von fünf neuen Filmen im Ersten herstellen, darstellen, aufstellen. Kurzum: Christine Strobl hat viel Geld, Personal und Filme zu verwalten. Doch wenn es um die bislang wichtigste Aufgabe ihres Lebens geht, fällt schnell dieser Name, mehr ein Kampfbegriff:
Neubauer.
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Die Rückkehr der Euro-Visionen

Zur Renaissance europäischer Koproduktionen
Von Christian Bartels

Eigentlich gibt es in den Weiten des öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehens kaum etwas, das es nicht gibt. Im ersten Quartal 2015 gab es aber gleich zweimal etwas, das es so noch nicht oder lange nicht mehr gegeben hat: Spielhandlungen, die in mehreren Sprachen immer wieder Ländergrenzen überschreiten – echte Koproduktionen im zusammenwachsenden Mitteleuropa.

Der SWR zeigte in der ARD an zwei Mittwochabenden nacheinander um 20.15 Uhr deutsch-französische Produktionen. Im Thriller „Tag der Wahrheit“ wuselten viele Charaktere an Schauplätzen im Grenzgebiet herum, um einen GAU im Atomkraftwerk zu verhindern, und wechselten zwischen beiden Sprachen. Spiegel Online monierte eine „nicht mit letzter (OmU-)Konsequenz betriebene zweisprachige Umsetzung – da reden dann Franzosen mit Franzosen auf Deutsch mit französischem Akzent“. Aber man konnte sich denken, dass es im Grenzgebiet vielleicht genau so zugeht.

Das ZDF ging im Fernsehen nicht so weit, im Internet aber weiter. Den Vierteiler mit dem gebremst einfallsreichen Titel „The Team“ stellte der Sender im Zuge des „bingewatching“-Trends, alles auf einmal sehen zu können, nicht nur vorab vollständig in die Mediathek, sondern auch in der Originalfassung. Sage und schreibe sechs Sprachen waren in der vor allem deutsch-dänisch-belgischen Koproduktion zu hören: außer Deutsch und Dänisch auch, schließlich ist Belgisch gar keine Sprache, Flämisch und Französisch. Der Verständigung untereinander diente natürlich Englisch. Und weil sich ein Litauer als serienstiftender Serienkiller entpuppte, wurde auch ein wenig Litauisch geredet. Im linearen Fernsehen lief die Synchronfassung und erlaubte aufschlussreiche Vergleiche: Während der litauische Charakter im Original akzentfrei mehrere Sprachen spricht, war er in der Fernsehfassung der einzige, dem ein Akzent ansynchronisiert wurde.
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Will TV find me?

Fernsehen nach Facebook und im Zeitalter des "Long Tail"
Von Holm Friebe

Ich bin ein Kind der TV-Ära. Im Wohnzimmer meiner Kindheit nahm der Fernseher neben der bildungsbürgerlichen Kompetenztapete – dem gut gefüllten Bücherregal – noch einen prominenten Platz ein. Dementsprechend prominent ragt das Fernsehen in meine Kindheitserinnerungen (natürlich nur Öffentlich-Rechtliches, die Privaten kamen ja erst später): Kränkelnde Vormittage verbrachte man vor den halbstündigen Schulfernseh-Sendungen im Dritten. Zum täglichen Ins-Bett-geh-Ritual gehörte die „Sesamstraße“. Sonntags, vor Vaters „Presseclub“ gab es die „Sendung mit der Maus“. Die Samstagabende bei den Großeltern gehörten – im Schlafanzug und mit einem Teller Apfelschnitzen – den großen Familien-Shows, „Verstehen Sie Spaß?” und allen voran „Wetten, dass...?”.

Florian Illies beschreibt in „Generation Golf”, seinem Portrait der Um-die-1970-Geborenen, diese Ur-Szene unserer zeitgleichen Jugend direkt am Anfang des Buches: „Ich bin zwölf und und neben den grünen Augen von Sonja, sonntags im Kindergottesdienst, ist das Aufregendste am ganzen Wochenende die Eurovisionsmusik vor ,Wetten, dass … ?’. Es war damals selbstverständlich, dass man ,Wetten, dass … ?’ mit Frank Elstner guckte, niemals wieder hatte man in späteren Jahren solch ein sicheres Gefühl, zu einem bestimmten Zeitpunkt genau das Richtige zu tun.”

Was hier mit einem Funken Wehmut und leiser Ironie seziert wird, sind die späten Ausläufer der Massenkultur einer nivellierten Mittelstandsgesellschaft, die auf Synchronizität angelegt war und in der das Fernsehen als Lagerfeuer-Ersatz ein Gefühl von Gemeinschaft und Zusammenhalt stiftete. Dass alle zur gleichen Zeit das gleiche gesehen haben (mussten), wurde nicht als einengend empfunden, sondern im Gegenteil: als identitätstiftend. Und wir sind vermutlich die letzten Jahrgänge, die das noch erleben durften. Vielleicht wurde keine Generation vorher und keine nachher stärker durch das Fernsehen sozialisiert als unsere. » mehr...

Die Kanalisation der Welt

Eine Argumentation gegen „betreutes Sehen“
Von Gert Scobel

Das Londoner Science Museum ist ebenso hervorragend wie beliebt – selbst bei Kindern und vor allem bei der im deutschen Fernsehen so heiß umworbenen Zielgruppe der Jugendlichen. Es unterhält einen gut gehenden Museumsladen, in dem sich ein für deutsche Fernsehschaffende geradezu unverzichtbares Souvenir erwerben lässt: Das „Reflect Mouse Pad“ mit dem guten alten deutschen Fernsehtestbild. Nun wissen Medienmacher längst, dass die Maus bis heute nicht nur in der Genetik das Forschungsmodell schlechthin ist. Auch in der eigenen Branche wurde die Maus als Modell für die Generation „Apple Plus“ zum Testfall. Denn die jüngste Generation hat die Maus, wie anscheinend auch das Fernsehen, abgeschafft. Vielleicht gehört auch deshalb beides, Mauspad und Fernsehen, zusammen. Auf der Verpackung des Londoner Science-Museum-Mouse-Pad ist jedenfalls nicht nur zu lesen, wie hervorragend die Qualität dieser speziell für optische High-Tech-Lasermäuse entwickelte Unterlage sei. Sondern auch wie überaus stilvoll und ästhetisch passend. Denn diese Testbild-Mausunterlage und ihre Retro-TV-Grafik sind gemacht worden um uns liebevoll zu erinnern an die Schönheit einer soon-to-be obsolete technology. » mehr...

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Letzte Änderung: 16.07.2015 15:08