Jahrbuch Fernsehen

Das Jahrbuch Fernsehen als Printversion

Das neue JAHRBUCH FERNSEHEN 2016 - die 25. Ausgabe.

Das JAHRBUCH FERNSEHEN „bündelt die treffendsten Analysen mit den kreativsten Kritiken und zahllosen Hintergrundinformationen zum Genre.“ (Spiegel Online) und ist mit seinem aufwändigen und aktuellen Service- und Adressenteil „unverzichtbarer Wegbegleiter durchs Jahr“ (NZZ) und anerkannte Standardpublikation der deutschen TV-Landschaft. Es erscheint seit 1991.

Die Herausgeber – das Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, die „Medienkorrespondenz“, das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik und das Film Festival Cologne – bürgen für die journalistische Qualität und medienpolitische Unabhängigkeit der Publikation. » mehr...

Essay-Leseproben

Wie Twitter, nur mit Bildern

Der verblüffende Erfolg des französischen Nachrichtensenders BFMTV.
Von Fabienne Hurst

Meist dauert es nur Minuten. Nach jedem schlimmen Ereignis, sei es ein brennender Maidan in Kiew oder Bombenalarm im Stade de France, sind sie hellwach, die wütenden Kritiker. Auf Facebook und Twitter fordern sie – unterstützt von Ausrufezeichen und Versalien – man müsse sofort ARD und ZDF sämtliche Rundfunkbeiträge entziehen, weil diese nicht binnen Sekunden live ins Geschehen schalteten. Doch es gibt Medien, die dann längst auf Sendung sind, in Echtzeit von mittendrin übertragen. Einer von ihnen ist BFMTV1: Frankreichs erfolgreichster Nachrichtenkanal.

In nur zehn Jahren hat der Sender seine Zuschauerschaft verhundertfacht und die französische Medienlandschaft grundlegend verändert. Wie kein Nachrichtensender zuvor hat er mit seiner Berichterstattung Aktualität neu definiert. Selbst die politische Kommunikation steht unter dem Einfluss des ständigen Nachrichtenwirbels durch den Sender. Was passiert da?
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Ist das überhaupt noch Fernsehen?

Die Strategien der privaten TV-Sender gegen Streaming, VoD und Pay-TV
Von Kai-Hinrich Renner

Gemeinhin steht das Kürzel »TV« für das Kunstwort Television, das aus dem griechischen »tele« und dem französischen »vision« zusammengesetzt ist und so viel wie Fernsehen bedeutet. Das weiß natürlich auch Guillaume de Posch, der – zusammen mit Anke Schäferkordt – dem TV-Konzern RTL Group vorsteht, dessen umsatzstärkste Tochter die Mediengruppe RTL Deutschland ist. Und doch hatte der belgische Medienmanager seine Keynote auf der Fernsehmesse MIPTV im April 2016 mit dem Titel »TV = Total Video« versehen. Diese recht eigenwillige Definition erklärte er gegenüber dem »Handelsblatt« wie folgt: »Die Vielzahl digitaler Abspielgeräte wie etwa Smartphones oder Tablets hat unser Medium verändert. TV ist für uns nicht mehr nur das klassische lineare Fernsehen, sondern umfasst jedes Bewegtbild-Format, das auf den heute gängigen Geräten läuft.«

Damit hat de Posch den Bedeutungswandel, den das Medium Fernsehen seit ein paar Jahren erfährt, am Beispiel der Entwicklung neuer Empfangsgeräte recht nüchtern nachgezeichnet. Die Dramatik dieses Prozesses klingt bei ihm nur ganz leicht an, wenn er davon spricht, dass TV heute »nicht mehr nur das klassische lineare Fernsehen« sei, »sondern jedes Bewegtbild-Format«. Dabei ist das ein ziemlich radikaler Satz. Denn wenn nun wirklich jedes Bewegtbild-Angebot gleichberechtigt neben dem klassischen linearen Fernsehen steht, dem einstigen Lagerfeuer der Gesellschaft, werden die Karten für TV-Konzerne wie die RTL Group komplett neu gemischt.
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Flucht im TV-Format

Das Fernsehen über, mit und von Refugees
Von Nadia Shehadeh und Jasmin Siri

Das Thema der Fluchtbewegungen nach Europa beherrscht die massenmediale und politische Agenda umfassender als jedes andere Thema der vergangenen Jahre und hat die Öffentlichkeit stark emotionalisiert. Es engagieren sich Menschen für Geflüchtete, die sich zuvor nie engagiert haben. Andere wenden sich verunsichert rassistischen Bewegungen zu. Die Flüchtlingsdebatte hat eingefahrene Wege des Redens und Berichtens über Integration, Migration und die Frage, was denn eigentlich ›deutsch‹ ist, infrage gestellt und eine leidenschaftliche Debatte über ›uns‹ und ›die Fremden‹ ausgelöst, die sich durch alle Medienformate zieht. So fanden sich zum Beispiel auch in eher unpolitischen Angeboten, wie Society- und Boulevardsendungen, Berichte über geflüchtete Familien, über den Weg der Flucht oder über den Aufbau von Beziehungen zu ›den Deutschen‹. Zahlreiche öffentliche Personen, die zuvor nicht als besonders politisch aktiv aufgefallen waren, meldeten sich zu Wort. Das Fernsehen entdeckte außerdem eine neue Rezipientengruppe, nämlich jene Neuankömmlinge, die sich aus den Kriegsgebieten der Welt auf den Weg nach Europa gemacht hatten. Auch als Produzenten von Formaten wurden plötzlich geflüchtete Menschen crossmedial sichtbar: sei es als YouTube-Star oder auch über Handyvideos, die die Flucht für ein breites Publikum im öffentlich-rechtlichen Fernsehen dokumentierten.

Aufgrund dieser Vielzahl an Formaten ist es nicht einfach, den Rahmen eines Textes zu setzen, der sich mit Refugees im TV befasst. Wie wird im TV über und mit Refugees gesprochen? Welche TV-Darstellungen von Flucht finden sich im TV? Gibt es Angebote, die sich dezidiert an Refugees richten oder von diesen selbst gemacht werden? Wie tragen Veränderungen im System der Massenmedien zu neuen Formen der Berichterstattung bei? Alledem stellen wir noch voran, dass wir der soziologischen Profession angehören und damit auch einen spezifisch soziologischen Blick auf das Medium Fernsehen einnehmen, der sich sicher von dem der Insider unterscheidet. Doch vielleicht ist dieses Moment der Fremdheit gerade dazu geeignet, sich dem Thema Flucht im Fernsehen breit zu nähern.
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»Ich galt jahrelang als Nestbeschmutzer«

Der zunächst einsame Kampf des ARD-Reporters Hajo Seppelt um eine realistische Sportberichterstattung
Von Sabine Sasse

Es ist ein Sumpf, in dem Hajo Seppelt seit Jahren wühlt und aus dem er regelmäßig unappetitliche Dinge ans Licht befördert. Erst Anfang April enthüllten er und sein Team gemeinsam mit der »Sunday Times« die Dopingpraxis eines Londoner Gynäkologen, der seit Jahren englische Top-Athleten mit allem, was schneller und stärker macht und verboten ist, versorgt hat: Fußballer aus der Premier League, Cricket-Profis, Tour-de-France-Teilnehmer, Boxer, Kampfsportler, Tennis-Profis. Im Dezember 2014 hat Seppelt mit seiner in der ARD ausgestrahlten Doku »Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht« dafür gesorgt, dass mehrere hochrangige Funktionäre internationaler Sportorganisationen und Anti-Doping-Einrichtungen zurücktraten oder suspendiert wurden. Die Doku, die weltweit von vielen Sendern übernommen wurde, hatte zur Folge, dass der russische Leichtathletikverband von allen internationalen Wettbewerben ausgeschlossen wurde und auch die Teilnahme bei den Olympischen Spielen in Rio fraglich ist. Zudem wurden die Russische Anti-Doping-Agentur und das Dopingkontrolllabor Moskau international suspendiert. In der im August 2015 ausgestrahlten Fortsetzung »Geheimsache Doping: Im Schattenreich der Leichtathletik« recherchierte Seppelt vor allem zum Thema Blutdoping und zu einigen der weltbesten kenianischen Langstreckenläufer. Der damalige Präsidentschaftskandidat des Weltleichtathletikverbands IAAF, Sebastian Coe, nannte die Enthüllungen eine »Kriegserklärung« an die Leichtathletik, während die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA langjährige Korruption und Vertuschung von Topfunktionären der IAAF feststellte.

Im März dieses Jahres ist Hajo Seppelt für seine Arbeit zum zweiten Mal zum Sportjournalisten des Jahres gewählt worden. Im Oktober erhält er den mit 5.000 Euro dotierten Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis. Seppelt habe sich seit vielen Jahren mit unermüdlicher Energie, Mut und zähem Durchsetzungswillen einem unabhängigen Journalismus verschrieben, so die Jury. »Mit seinen Recherchen bringt er Licht ins Dunkel mächtiger internationaler Dopingnetzwerke und provoziert heftigen Widerstand von internationalen Sportorganisationen, Funktionären und Verkäufern glitzernder Großereignisse.« Außerdem wurde er in diesem Jahr bereits mit dem Deutschen Fernsehpreis und dem Bud-Greenspan-Award der New York Track and Field Writers ausgezeichnet, und die Österreicher haben ihn für den Film- und Fernsehpreis Goldene ROMY nominiert. Seppelt, 1963 in Berlin geboren, hat in den letzten zehn Jahren viele Preise bekommen, er ist einer der besten Sportjournalisten Europas, einer der hartnäckigsten, und er war einer der ersten, die im Medium Fernsehen investigative Erfolge im Sportbusiness vorweisen konnten. Doch der Weg dahin war lang und steinig, und der Wind, der ihm entgegen blies, kam nicht selten aus den eigenen Reihen.
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»Ich hätte mir auch vorstellen können, Schauspieler zu werden«

Ein Gespräch mit Jörg Grabosch (Brainpool)
Von Lutz Hachmeister

Jörg Grabosch, geboren am 6. Juli 1962 im nordrhein-westfälischen Datteln, gilt als einer der kreativsten Produzenten von Unterhaltungsformaten im deutschen Fernsehen. Bevor er Ende November 1994 BRAINPOOL gründete, arbeitete er unter anderem als Autor und Realisator für WDR, stern TV und Deutsche Welle TV sowie als Chef vom Dienst bei RIAS TV. 1991 wurde er Chefredakteur des Hamburger Pay-TV-Senders Premiere, wo er 1.200 Livesendungen des Interviewformats »0137« produzierte, das unter anderem von Roger Willemsen und Sandra Maischberger moderiert wurde. Mit »0137 Night Talk« entwickelte er die erste interaktive TV-Call-In-Show. Nach einem kurzen Zwischenstopp als Executive Producer der »RTL Nachtshow« mit Thomas Koschwitz gründete er gemeinsam mit Martin Keß und Ralf Günther die BRAINPOOL development consulting production GmbH. Mit Formaten wie »Die Harald Schmidt Show«, »Die Wochenshow«, »TV total«, »Schlag den Raab«, »Ladykracher«, »Pastewka«, »Stromberg« oder »Carolin Kebekus« etablierte sich die TV-Produktionsgesellschaft als Spezialist für leichte Unterhaltung, machte Comedians wie Anke Engelke, Bastian Bastewka, Christoph-Maria Herbst und nicht zuletzt Stefan Raab groß, fuhr zahlreiche Preise ein und veränderte die Fernsehlandschaft entscheidend.

Das Gespräch mit Jörg Grabosch führte Lutz Hachmeister in dessen Brainpool-Office in der Kölner Schanzenstraße
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Will TV find me?

Fernsehen nach Facebook und im Zeitalter des "Long Tail"
Von Holm Friebe

Ich bin ein Kind der TV-Ära. Im Wohnzimmer meiner Kindheit nahm der Fernseher neben der bildungsbürgerlichen Kompetenztapete – dem gut gefüllten Bücherregal – noch einen prominenten Platz ein. Dementsprechend prominent ragt das Fernsehen in meine Kindheitserinnerungen (natürlich nur Öffentlich-Rechtliches, die Privaten kamen ja erst später): Kränkelnde Vormittage verbrachte man vor den halbstündigen Schulfernseh-Sendungen im Dritten. Zum täglichen Ins-Bett-geh-Ritual gehörte die „Sesamstraße“. Sonntags, vor Vaters „Presseclub“ gab es die „Sendung mit der Maus“. Die Samstagabende bei den Großeltern gehörten – im Schlafanzug und mit einem Teller Apfelschnitzen – den großen Familien-Shows, „Verstehen Sie Spaß?” und allen voran „Wetten, dass...?”.

Florian Illies beschreibt in „Generation Golf”, seinem Portrait der Um-die-1970-Geborenen, diese Ur-Szene unserer zeitgleichen Jugend direkt am Anfang des Buches: „Ich bin zwölf und und neben den grünen Augen von Sonja, sonntags im Kindergottesdienst, ist das Aufregendste am ganzen Wochenende die Eurovisionsmusik vor ,Wetten, dass … ?’. Es war damals selbstverständlich, dass man ,Wetten, dass … ?’ mit Frank Elstner guckte, niemals wieder hatte man in späteren Jahren solch ein sicheres Gefühl, zu einem bestimmten Zeitpunkt genau das Richtige zu tun.”

Was hier mit einem Funken Wehmut und leiser Ironie seziert wird, sind die späten Ausläufer der Massenkultur einer nivellierten Mittelstandsgesellschaft, die auf Synchronizität angelegt war und in der das Fernsehen als Lagerfeuer-Ersatz ein Gefühl von Gemeinschaft und Zusammenhalt stiftete. Dass alle zur gleichen Zeit das gleiche gesehen haben (mussten), wurde nicht als einengend empfunden, sondern im Gegenteil: als identitätstiftend. Und wir sind vermutlich die letzten Jahrgänge, die das noch erleben durften. Vielleicht wurde keine Generation vorher und keine nachher stärker durch das Fernsehen sozialisiert als unsere. » mehr...

Die Kanalisation der Welt

Eine Argumentation gegen „betreutes Sehen“
Von Gert Scobel

Das Londoner Science Museum ist ebenso hervorragend wie beliebt – selbst bei Kindern und vor allem bei der im deutschen Fernsehen so heiß umworbenen Zielgruppe der Jugendlichen. Es unterhält einen gut gehenden Museumsladen, in dem sich ein für deutsche Fernsehschaffende geradezu unverzichtbares Souvenir erwerben lässt: Das „Reflect Mouse Pad“ mit dem guten alten deutschen Fernsehtestbild. Nun wissen Medienmacher längst, dass die Maus bis heute nicht nur in der Genetik das Forschungsmodell schlechthin ist. Auch in der eigenen Branche wurde die Maus als Modell für die Generation „Apple Plus“ zum Testfall. Denn die jüngste Generation hat die Maus, wie anscheinend auch das Fernsehen, abgeschafft. Vielleicht gehört auch deshalb beides, Mauspad und Fernsehen, zusammen. Auf der Verpackung des Londoner Science-Museum-Mouse-Pad ist jedenfalls nicht nur zu lesen, wie hervorragend die Qualität dieser speziell für optische High-Tech-Lasermäuse entwickelte Unterlage sei. Sondern auch wie überaus stilvoll und ästhetisch passend. Denn diese Testbild-Mausunterlage und ihre Retro-TV-Grafik sind gemacht worden um uns liebevoll zu erinnern an die Schönheit einer soon-to-be obsolete technology. » mehr...

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Letzte Änderung: 21.07.2016 12:14